Bøstrup: Kirchenkunst und Literaturgeschichte
Unterkünfte in Bøstrup
Bøstrup erschließt sich über konkrete Spuren seiner Geschichte: Die Bøstrup Kirke vereint einen mittelalterlichen Ursprung mit romanischen Bildsteinen und einer barocken Kanzel. Dazu kommen zwei unterschiedliche Bezüge zu Grundtvig, die literarische Geschichte des Møllehavehuset und die frühere Meierei. Diese Themen führen von Kirchenbau und Kunst über Personen- und Literaturgeschichte bis zur lokalen Milchwirtschaft. Gerade der Wechsel zwischen Bauwerk, historischen Bezügen und regionaler Produktion macht Bøstrup für Reisende interessant, die einen Ort gern über seine einzelnen Geschichten kennenlernen.
Eine Kirche mit mehreren Zeitschichten
Die Bøstrup Kirke wurde ursprünglich im 13. Jahrhundert erbaut. Im 14. und 15. Jahrhundert war sie die Herredskirche für Langelands Nørreherred. Beide Zeitangaben erzählen Unterschiedliches: Die erste ordnet den Ursprung des Bauwerks ein, die zweite benennt seine spätere kirchliche und administrative Rolle. Es lohnt sich, diese Ebenen auseinanderzuhalten, statt den Titel Herredskirche als Bauzeit zu lesen. So wird die Kirche zugleich als mittelalterlicher Bau und als Institution mit einer regionalen Funktion verständlich.
Bildsteine, Taufbecken und Kanzel
Besonders auffällig ist die ungewöhnlich große Zahl behauener Steine mit Darstellungen, der sogenannten romanischen Bildquader. An der nördlichen Schiffswand zeigt einer davon einen Löwen, der einen Menschen verschlingt. Das Motiv bietet einen konkreten Blick auf die Bildwelt der Kirche, während die übrigen Ausstattungsstücke weitere Zeitschichten sichtbar machen. Die Kirche besitzt außerdem ein Granittaufbecken des sogenannten Storebælt-Typs aus der Zeit um 1200. Die Kanzel ist ein Barockwerk, das Hans Gudewerth der Jüngere 1634 geschnitzt hat. Im Vergleich liegen zwischen dem ungefähr um 1200 datierten Taufbecken und der Kanzel mehrere Jahrhunderte. Steinbild, Taufbecken und Kanzel lassen sich daher nicht einer einzigen Gestaltungszeit zuordnen.
Grundtvigs Verbindung zu Bøstrup
Auch Grundtvig ist mit der Bøstrup Kirke auf zwei konkrete Arten verbunden: Von ihrer Kanzel hielt er einige seiner ersten Predigten. Auf dem Friedhof Bøstrup Kirkegård trägt ein Tor den Namen „Grundtvigs låge“; Grundtvig benutzte es, wenn er zum Gottesdienst in die Kirche ging. Die beiden Bezüge erzählen Verschiedenes: Der eine gilt den Predigten, der andere seinem Weg zum Gottesdienst. So wird die Verbindung nicht nur an der Kanzel, sondern auch am benannten Friedhofstor greifbar.
Literatur und frühere Meierei
Møllehavehuset ist ein landesweiter Literaturverein mit Sitz in Bøstrup. Er will vor allem die dänische Literatur und verwandte Künste fördern. Zugleich gibt es einen historischen Bezug zum Namen: In der Bøstrup Præstegård, die ebenfalls „Møllehavehuset“ genannt wird, wurden literarische Salons abgehalten. Damit stehen literarische Zusammenkünfte und der Vereinszweck nebeneinander, ohne dass daraus eine Aussage über heutige Salons folgt. Wer sich für Literatur interessiert, begegnet hier sowohl einer Ortsgeschichte als auch einer kulturellen Institution mit einem ausdrücklich dänischen Schwerpunkt.
Eine andere Seite der Ortsgeschichte erzählt die Meierei: Sie bestand bis 1990 und war die letzte Meierei auf Langeland. Das ergänzt die Kirchen- und Literaturgeschichte um ein Kapitel der Lebensmittelproduktion. Auch hier hilft die zeitliche Einordnung: Während Taufbecken und Kanzel unterschiedliche Epochen kirchlicher Kunst verbinden, verweist die Meierei auf eine abgeschlossene lokale Produktionsgeschichte. Für Reisende, die Bøstrup nach seinen historischen Themen auswählen, ergibt sich so mehr als ein einzelner Blickwinkel auf den Ort.
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